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Sanfte Chemie mit biologischen Katalysatoren 11. März 2004 ZDF 21.00 - 21.15 Uhr
Den Katalysator im Auto kennt jedes Kind - er sorgt für die schnellere Verbrennung von Abgasen und dadurch für unweltfreundlichere Autos. Weniger bekannt ist, dass die Natur schon lange vor dem Menschen das Prinzip "Katalysator" erfunden hat. Es sind die Enzyme. Ohne diese Biokatalysatoren wäre das Leben auf der Erde gar nicht möglich. Zu Tausenden sitzen sie in jeder einzelnen lebendigen Zelle. Sie managen alle Stoffwechselvorgänge und verwandeln Moleküle, die mit der Nahrung aufgenommen werden, in genau die Moleküle, die anderswo im Organismus gebraucht werden - und das bei Körpertemperatur, sanft, schnell und weitgehend ohne Abfall. Unbewusst nutzen Menschen die Fähigkeiten von Enzymen bereits seit Jahrtausenden, wie zum Beispiel zur Herstellung von Käse oder Hefeteig. Und schon lange träumten Wissenschaftler davon, maßgeschneiderte Enzyme in der chemischen Industrie für ganz gezielte Reaktionen nutzen zu können. Zusammen mit ihrer Kollegin Martina Pohl gelang es Maria-Regina Kula ein bahnbrechendes Verfahren zu entwickeln, mit dem isolierte Enzyme gentechnisch optimiert werden, um sie für den industriellen Herstellungsprozess stabiler zu machen. Vor allem für die Pharmaindustrie bringt die enzymatische Produktion viele Vorteile: sie ist preisgünstig und umweltfreundlich. Medikamente, die mit Hilfe von Enzymen hergestellt werden, sind verträglicher als herkömmliche Chemikalien. Anhand von Prof. Kulas Erkenntnissen werden inzwischen zahlreiche unterschiedliche Wirkstoffe von namhaften Pharmaunternehmen hergestellt: Medikamente gegen Krebs und Aids, Infusionslösungen und Cholesterinsenker, Virenhemmer und Mittel gegen Rheuma. Die Enzymtechnologie steht heute weltweit vor dem Durchbruch. Hunderttausende noch unbekannter Biokatalysatoren warten darauf, entdeckt zu werden. |